Mittwoch, 8. September 2010

Wenn die Suche nach Bedeutung mit Politik verwechselt wird





Die Vorgänge rund um die Tirol Milch rückten die Agrarpolitik in den Bundesländern wieder einmal ins Rampenlicht. Ohne darauf näher eingehen zu wollen, nur so viel: Ein Ruhmesblatt haben sie da nicht beschrieben. Nicht der Präsident der Tiroler Bauernkammer, schon gar nicht der Agrarlandesrat und erst recht nicht der Landeshauptmann, der sich zu allem Überfluss auch noch einmischte. Sie zeigten (wie übrigens auch die lokalen Wirtschaftskämmerer oder Politgrößen wie Fritz Dinkhauser) alle Eigenschaften, die man Provinzpolitikern gerne im Klischee zuschreibt - eitle Machtbesessenheit, Kirchturmdenken und eine Meinung, die sich verhält wie eine Fahne im Wind.

Zugegeben, Agrarpolitiker in der Provinz haben es nicht immer freudvoll. Landesräte nicht, Kammerpräsidenten und -sekretäre nicht und Bezirksbauernkammer-Obmänner und die vielen anderen, die sich in der agrarischen Vertretung tummeln, auch nicht. Brüssel ist weit, Wien auch. Und zu sagen hat man wenig. Der Spielraum ist klein. Viel kleiner, als man sich zugestehen mag. Und viel kleiner auch, als er zum oft allzu aufgeblasenen Ego eines Vertreters passt. Kein Wunder, dass sich da viele, ja die meisten schwer tun, ihre Rolle in diesem Gefüge zu finden. Merken soll das freilich niemand. Auch nicht, dass dabei Sinn und Zweck ihres Daseins oft längst verloren gegangen sind.

Getrieben von dem Versuch, sich zu inszenieren und Bedeutung zu geben, halten viele ihre heftige und beständige Arbeit am Bild des wackeren Bauernvertreters für Politik -eine schlichte Verwechslung, die sich zumeist in Ersatzhandlungen manifestiert, die bei den Bauern den Anschein erwecken sollen, man habe ja doch etwas zu sagen. Man fehlt bei keiner Veranstaltung und bei keiner Eröffnung. Und man produziert Presseaussendungen am laufenden Band, drängt sich vor jede Kamera und tut ohne Genierer so, als habe man das Ohr derer, die wirklich etwas zu sagen haben -dabei hat man oft gerade einmal den Sekretär des Sekretärs des Präsidenten oder Generaldirektors vorbeihuschen gesehen und ein beiläufiges Nicken erheischt.

Zumeist ist es nachgerade so, dass sich Eitelkeit und Anbiederung reziprok zur tatsächlichen Bedeutung verhalten, die mitunter direkt in schräge Absonderlichkeiten münden. Da leuchteten doch allen Ernstes vor nicht allzu langer Zeit von den schwarzen Socken eines Agrarlandesrates groß und in Weiß die Initialen seines Vor- und Zunamens. Noch schlimmer ist dann zuweilen nur noch, wenn sie das machen, von dem sie meinen, dass es Politik sei. Dann glauben sie in ihrer kleinen Welt alles, was sie für ein Register halten, ziehen zu müssen, stellen sich damit - siehe Tirol -noch mehr bloß und scha den, was noch schwerer wiegt, der Sache selbst.

Nur wenige der Politiker und Interessenvertreter in den Ländern verstehen es, den ihnen vorgegebenen Rahmen für die Landwirtschaft zu nutzen, für die Bauern Möglichkeiten zu eröffnen, intelligente und nachhaltige Projekte zu entwickeln oder gar politische Positionen über Landesgrenzen hinaus aufzubauen. Sie zeigen, was möglich ist. Und dass es möglich ist. Sie sind es wohl auch, die die Verantwortung tragen, wenn für die Bauern in den nächsten Monaten die Weichen für die künftige Agrarpolitik gestellt werden. Und nicht die Polterer, Schreier und Aussendungs-Schreiber. Die aber könnten das zumindest als Gelegenheit nehmen, wirklich Politik für die Bauern zu machen. Und nicht nur Politik für die Befriedigung ihrer Eitelkeiten.

Blick ins Land 6. September 2010

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